Die Verschiebung hin zu regenerativer, fluktuierende Energieerzeugung, die Nutzung mobiler elektrischer Speicher im Stromnetz und das veränderte Verbrauchsprofil privater Haushalte in Folge der Nutzung von Elektrostraßenfahrzeugen (ESF) führen zu neuen Anforderungen an das öffentliche Stromnetz, die analysiert werden müssen.
Durch die Netzintegration
von ESF können Lasttäler besser ausgeglichen und gleichzeitig ein Puffer
für Spitzenlastzeiten geschaffen werden. Dies ermöglicht eine bessere Ausnutzung von
Kraftwerkskapazitäten, setzt jedoch gesteuerte Lade- und Entladevorgänge
voraus.
Die Rückwirkungen dieser
auf die Stromerzeugung, insbesondere auf die Zusammensetzung des Ladestroms, die
damit verbundenen CO2-Emissionen und Stromgestehungskosten, sind wichtige zu
berücksichtigende Faktoren.
Im Folgenden soll daher ein
Überblick über die wichtigsten Punkte gegeben werden:
Einfluss
von gesteuerten Lade- und Entladevorgängen der Elektrofahrzeuge auf den
deutschen Lastbedarf
Wie Abbildung 1 zu
entnehmen ist, weist die elektrische Verbrauchslast eine hohe tägliche
Periodizität auf. In den Morgenstunden wird dabei deutlich weniger
Kraftwerksleistung nachgefragt als in den Mittagsstunden und am Abend. Insgesamt
schwankt im Tagesverlauf die Verbraucherlast normalerweise um rund ein Drittel.
Um ein stabilen Betrieb
des Stromnetzes zu gewährleisten und aufgrund der geringeren Grenzkosten der
Stromerzeugung ist es dementsprechend sinnvoll, zusätzliche elektrische
Verbraucher in Zeiten niedriger Last zu betreiben. Da die installierte
Kraftwerkskapazitäten und auch das elektrische Übertragungs- und Verteilnetz
auf den erwarteten Höchstverbrauch ausgelegt sind, kann so eine Integration
ohne Änderung der bestehenden Anlagen erfolgen.
Ziel einer optimalen
Integration von ESF müssen also gesteuerte Ladevorgänge sein. Durch diese lassen
sich die oben beschriebenen Niedriglastzeiten zur Ladung ausnutzen und damit eine weitere
Erhöhung der nachgefragten Leistung in Spitzenlastzeiten verhindern. Durch
gesteuerte Entladevorgänge während der Zeiten hoher nachgefragter Lesitung können ESF sogar zur Deckung
des Spitzenlastbedarfs beitragen.
Abbildung 1:Einfluss
von gesteuerten Lade- und Entladevorgängen der Elektrofahrzeuge auf den
deutschen Lastbedarf
Zusammensetzung des Ladestroms
In Folge der Ladung der
ESF zu Niedriglastzeiten wird der benötigte Ladestrom vor allem von steuerbaren
fossilen Kraftwerken bereitgestellt. Die zuzuordnenden Emissionen sind
dementsprechend überdurchschnittlich hoch und machen zusätzliche Eingriffe zu
ihrer Verringerung notwendig.
Dies kann beispielsweise durch eine Verschiebung
des fossilen Brennstoffmix erreicht werden. So führt eine Senkung des Anteils
der CO2-intensiven Energieträger Braun- und Steinkohle zugunsten des
emissionsärmeren Erdgases zu einer Reduktion der spezifischen Emissionen.
Eine weitere Möglichkeit
ist der Einsatz von Kohlekraftwerken mit Anlagen zur CO2-Abscheidung
(CSS) sobald diese in Zukunft zur Verfügung stehen.
Abbildung 2: Zusammensetzung
des Ladestroms im Jahr 2020
Veränderung der residualen Last
Abbildung 3 stellt die Veränderung der residualen Last im Jahr 2040 dar. Die residuale Last ergibt sich aus der Gesamtlast abzüglich der Teile, welche nicht durch regenerative Energien oder Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung gedeckt werden. Ziel einer gesteuerten Ladung von ESF sollte also die Ladung zu Zeitpunkten mit einer niedrigen residualen Last darstellen.
Abbildung 3: Veränderung der residualen Last im Jahr 2040
Entwicklung der ESF bedingten CO2-Emissionen
Abbildung 4 stellt die
Entwicklung der ESF bedingten CO2-Emissionen unter verschiedenen
Rahmenbedingungen dar.
Eine Integration von ESF
rein nach kostenorientierten Kriterien führt zu den höchsten CO2-Emissionen
aufgrund der Bereitstellung des Ladestroms hauptsächlich durch fossile
Brennstoffe. Kurzfristig liegen dabei die Emissionen über konventionellen PKW
vergleichbarer Größenordnung.
Im Vergleich dazu führt
Ladung der ESF mit dem Strommix zu deutlich niedrigeren Emissionen. Dies liegt
im Anteil regenerativer Energien begründet, welcher jedoch auch mit steigenden
Kosten verbunden ist. Bei beiden Integrationsformen können langfristig die Emissionen
weiter reduziert werd
Eine emissionsneutrale Integration stellt ökologisch das Optimum dar.
Abbildung 4: Entwicklung der ESF bedingten CO2-Emissionen
Entwicklung der Stromgestehungskosten
Wichtig für den Erfolg
von ESF ist neben deren technischen Eigenschaften ihre Wirtschaftlichkeit.
Diese muss dabei sowohl aus Nutzersicht als auch aus Sicht der gesamten
Volkswirtschaft betrachtet werden. Da die Anschaffungskosten auch langfristig
deutlich über denen konventioneller PKW liegen werden, wird in dieser Hinsicht
die Attraktivität von ESF durch die Betriebskosten, also hauptsächlich durch
die Strombezugskosten bestimmt.
Abbildung 5 vergleicht
das Referenzszenario mit einem die Integration ESF berücksichtigenden Szenario.
Aufgrund der bereits beschriebenen
gesteuerten Ladung kann die Auslastung der bestehenden Kraftwerke gesteigert
werden, die spezifischen Kosten nehmen also ab. Desweiteren werden keine neuen
Anlagen notwendig und die Grenzkosten der Stromerzeugung sind niedrig.
Im Vergleich mit
Referenzszenario kann dabei bei Integration von ESF von niedrigeren
Stromgestehungskosten ausgegangen werden. Der anrechenbare Anteil für den
Ladestrom liegt während des gesamten Zeitraums bei etwa 1 Ct/kWh und damit
deutlich unter den durchschnittlichen Stromgestehungskosten.
Abbildung 5: Entwicklung der Stromgestehungskosten bis 2040